Schlagwort: Tierschutz

  • Tierschutz in Playa del Carmen Mexiko und der Riviera Maya

    Tierschutz in Playa del Carmen Mexiko und der Riviera Maya

    Vor einer Weile habe ich einen Aprilscherz gepostet, dass ich ein Tierheim eröffnen werde. Das hat online wie offline ziemlich viele Reaktionen ausgelöst. Erst vor Kurzem hat mir immer noch jemand zu diesem „nächsten Schritt“ gratuliert, und ich musste erklären, warum es das eigentliche Problem nicht löst, wenn man seine Energie in ein Tierheim steckt.

    Früher habe ich das anders gesehen. Viele Jahre lang dachte ich: Ich habe schon so viele Hunde bei mir zu Hause – was macht da ein weiterer geretteter Hund schon für einen Unterschied? Für mich ändert sich nicht viel, aber für diesen einen kleinen Hund bedeutet es die Welt.

    Was die Leute aber nicht sehen oder verstehen, ist, dass die Bedingungen bei meinen ersten Rettungsaktionen viel günstiger waren. Meine eigenen Hunde waren unglaublich tolerant gegenüber Neuzugängen, die für längere Zeit blieben. Ich musste eigentlich nie Kämpfe schlichten; höchstens gab es mal eine mütterliche Zurechtweisung von ihnen, um die Unruhe zu beenden. (Macchiato war derjenige, der am meisten Ressourcen verteidigt hat, aber er hat nie bis aufs Blut gekämpft).

    Dann hat sich alles verändert.

    Zuerst kam Pablo, der überhaupt nicht reinpasste. Er hat schrecklich gelitten, keine Lösung hat funktioniert, und ich war völlig ratlos. Dann habe ich Mauricio aufgenommen, damit er sich von Staupe erholen kann – er wäre sonst eingeschläfert worden, weil das Tierheim, das ihn aufgelesen hatte, nicht die Mittel hatte, um ihn isoliert unterzubringen. Und schließlich war da Remi, die ich völlig verhungert auf der Autobahn gefunden habe. Sie war mindestens einmal läufig gewesen und hatte als kleinerer Straßenhund gelernt, dass sie um ihr Futter kämpfen muss.

    Diese Hunde ließen sich nicht einfach so in mein Rudel integrieren. Pablo hat den ultimativen Preis bezahlt. Er wurde schließlich wegen seiner Verhaltensprobleme eingeschläfert, denn die Wahrheit ist: Ich konnte nie meine Wachsamkeit schleifen lassen, und die wenigen Male, die ich es getan habe, wissen wir ja, wie es ausging. Er hatte das nicht verdient, aber es war das Ergebnis eines fehlerhaften Systems – und meiner eigenen damaligen Entscheidung, das Einzelschicksal über die Gemeinschaft zu stellen. Ich weiß bis heute nicht, wie ich es hätte anders regeln können.

    Mit Mauricio und Remi war es ein ähnlicher Kampf. Weil Mauricio die wichtige Phase der Sozialisierung isoliert verbracht hat, während er sich von der Staupe erholte, hat er kaum Außenreize kennengelernt. Remi war herzwurmpositiv, hatte eine gebrochene Pfote und ist unbeaufsichtigt (und manchmal sogar, wenn ich dabei war) aggressiv auf meine Rüden losgegangen.

    Damit alle sicher waren, musste Remi lange Tage oben verbringen – zuerst in einer riesigen Box, weil sie versucht hat auszubrechen, und später in meinem Büro. Manchmal war sie 10 Stunden oder länger eingesperrt, während ich gearbeitet habe. 10 Stunden, ohne rauszugehen und Pipi machen zu können. Sie hat tatsächlich gelernt, tagsüber nichts zu trinken, damit keine Missgeschicke passieren, was definitiv nicht gesund ist. Selbst jetzt trinkt sie aus Angst noch viel zu viel auf einmal, wenn ich nach Hause komme, und erbricht kurz darauf Wasser. Ich kann gar nicht beschreiben, wie schlecht ich mich deswegen in Bezug auf das Tierwohl fühle, aber es war die einzige Möglichkeit, wie sie bleiben konnte. Ich habe nach Adoptanten gesucht, aber wie kann man jemandem mit gutem Gewissen sagen: „Dieser Hund ist nicht aggressiv“, wenn sie es in der Umgebung, in der ich sie hielt, nun mal war?

    Mauricio hat sich währenddessen zu einem bildschönen, eigenständigen Hund entwickelt, aber es hat Ewigkeiten gedauert, ihn stubenrein zu bekommen. Es hilft eben nicht, wenn ich nicht da bin, um ihn im richtigen Moment zu loben oder ihn nach draußen zu bringen, wenn er gerade im Haus sein Geschäft machen will. Nach sehr langer Zeit wurde es besser und er hat sich ins Rudel integriert, aber jahrelang hat er ständig das Sofa, die Küchenschränke und die Türen markiert – selbst wenn er vollen Zugang zum Garten hatte. Er wurde kurzzeitig nach Kanada vermittelt, kam aber wieder zurück, weil die Person, die helfen wollte, nicht verstanden hat, dass er einfach extra Zeit braucht, um anzukommen und lockerzulassen.

    Auch wenn mein Herz wegen des Verlusts meiner anderen Hundekinder immer noch schwer ist, bin ich im letzten Monat so stolz darauf, wie weit Mauricio und Remi gekommen sind. Ich kann ihnen endlich das Zuhause bieten, das jeder Hund verdient hat. Die beiden verbringen jetzt Tag und Nacht zusammen, entspannt und glücklich. Beide können jederzeit nach draußen – und auch wenn Remi immer noch nicht in den Garten gepinkelt hat, hat sie jetzt zumindest die Option dazu. Sie fressen direkt nebeneinander und ich gebe ihnen zusammen Leckerlis, damit sie lernen, dass es keinen Grund gibt, eifersüchtig zu sein. Sie gehen zusammen spazieren und bekommen exakt die gleiche Menge an Kuscheleinheiten.

    Ich weiß, das ist ein langer Text! Die Fotos von mir hier sind von einer Spay-and-Neuter-Klinik (Kastrationsaktion) vor Kurzem in einem kleinen Dorf hier in der Nähe, die meine Freundin Gillian und die Maya Animal Alliance durch ihr Netzwerk und mit ihren Freiwilligen für die Nachsorge gesponsert haben.

    Dieser kleine Gentleman auf den Fotos ist einfach direkt in die Klinik spaziert. Als wir uns umgehört haben, hieß es von allen, dass er keinen Besitzer hat. Das Dorf hat nur etwa 700 Einwohner, da kennt im Grunde jeder jeden. Die Tierärzte haben ihn und einen anderen, größeren Hund, der völlig abgemagert war und Räude hatte, kurzerhand genommen und beide kastriert.

    Der kleine Kerl hat sich in der Box erholt, bis er ganz aus der Narkose aufgewacht war. Als wir ihn rausgelassen haben, ist er die nächsten Stunden in der Gegend herumgelaufen. Er hat Futter und Wasser bekommen und ist zu einem kleinen Restaurant rübergegangen – die Leute dort hatten nichts gegen ihn.

    Mein Herz hat geschrien, ihn mit nach Hause zu nehmen. Ich weiß, er sieht furchtbar aus, aber die Behandlung von Räude mit medizinischen Bädern, gutem Futter und regelmäßigen Wurmkuren ist eigentlich nicht so kompliziert. Was ich aber auf die harte Tour gelernt habe, ist: Um der Gemeinschaft helfen zu können, muss ich mich selbst und meine eigenen Hunde in einer guten körperlichen und mentalen Verfassung halten.

    Dieser kleine Hund hat jetzt eine viel bessere Chance. Seine Energie wird nicht mehr dafür verschwendet, läufigen Hündinnen hinterherzujagen oder mit anderen Rüden zu kämpfen. Seine Haut wird sich wahrscheinlich schon durch die Wurmkur verbessern, die auch die Milben abtötet, die die Räude verursachen.

    Die Wahrheit ist: Jeder Hund verdient ein Zuhause, aber wir haben so viele Straßenhunde, dass in unseren Häusern oder Tierheimen einfach nicht genug Platz ist. Das Nächstbeste, was wir tun können – das Humanste, was wir tun können –, ist kastrieren. Wir müssen das Überhandnehmen der Population stoppen, indem wir diesen nie endenden Kreislauf der Fortpflanzung durchbrechen.

    Ich bin mir sicher, wenn ich sein Foto einzeln auf Social Media posten würde, würden gutmeinende Kommentare fordern, dass er „gerettet“ werden muss. Und ich müsste dann erklären, warum es nicht fair ist, ihn einfach von dem einzigen Ort wegzuholen, den er als sein Zuhause und seine Freiheit kennt, nur um ihn in eine Box zu stecken – mit einer ungewissen Zukunft, ob und wann er jemals eine eigene Familie findet. Das würde mir und meinen Hunden nur erheblichen Stress und auch finanzielle Engpässe einbringen.

    Ich weiß, dass ich sehr gut darin bin, Hunden beim Heilen zu helfen. Ich habe die Geduld und mittlerweile weiß ich auch einiges darüber. Aber meine Rettungsarbeit hat sich weiterentwickelt. Heute geht es darum, ganzen Gemeinden durch Kastrationsprogramme zu helfen, wo ich ehrenamtlich mitarbeite, wenn ich nicht im Tauchen arbeite. Und durch Aufklärungsprojekte wie das letztes Jahr, als wir an einer Cenote waren und viele der Tiere dort kastriert haben.

    Im Moment habe ich zwei monatliche Spender und ich spare das Geld, bis ich das nächste Outreach-Projekt finanzieren kann. Wenn du Teil dieser Community sein möchtest, lass es mich wissen. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich einzubringen; sei es durch Teilen, Spenden, Pflegeplätze oder indem man aktiv nach Adoptanten sucht.

  • Vergessene Seelen

    Vergessene Seelen

    Das Schöne an Social Media ist, dass des Interaktionen auslöst, dass man in Kontakt mit Menschen bleibt, die woanders sind und dass man dieses Netzwerk für allerlei Zwecke, sei es für Kundenaquise oder mehr dem Gemeinwohl ausgerichtete Ziele nutzen kann

    In diesem Sinne poste ich auch über meine Aktionen im Tierschutz, hab dafür sogar meine eigene FB-Seite F.R.E.S.A., aber viel geht natürlich auch über mein persönliches Profil, da die Verbreitung grösser ist.

    Mexiko ist ein Land mit unglaublicher Schönheit und Menschen, die äusserst herzlich sind. Obwohl die Gesetze zum Schutz von Fauna und Flora in Mexiko sehr fortschrittlich sind und Haustieren gerade in den vergangenen Jahren durch neue Gesetze und Regelungen sehr geholfen wird, ist ein Schwerpunkt der Berichterstattung in den Medien jedoch, über die Schattenseiten, den Abschaum und das Grauen zu berichten.

    Wenn ich ein Tier rette, berichte ich normalerweise von der ersten Minute über den Zustand, da ich sehr häufig hier bereits das erste Mal um Hilfe bitte. Denn 100% der geretteten Tiere müssen zum Tierarzt und sich einer oder mehrerer Behandlungen unterziehen, bis sie gesund sind und in ein neues Zuhause vermittelt werden können. Nicht immer gibt es ein Happy End und leider habe ich Tiere auch schon erlösen müssen, weil sie nicht geheilt werden konnten.

    Wann immer möglich poste ich dann mit einem positiven Touch, denn ich möchte weder jeden Tag jammern, noch etwas schwärzer malen als es sowieso schon ist oder mit grafischen Darstellungen von Gewalt oder Verletzungen Aufmerksamkeit gewinnen. Aber hier kommt der Punkt: Leute, die meine Beiträge ansehen und dem Tierschutz wohlgeneigt sind, sehen die Notwendigkeit nicht, auch mir zu helfen, wenn ja nach aussen hin alles in Ordnung zu sein scheint. Auch wenn ich schreibe, dass ich für einen Hund ein Zuhause suche, dass er gesund ist und nicht bei mir bleiben kann (denn ich kann nicht jeden Hund adoptieren, dem ich geholfen habe, so geht das nicht), wird unterschwelig angenommen, dass er bei mir ein gutes Zuhause hat und ich mich um ihn gut kümmern werde.

    Ein gutes Zuhause ist aber oftmals etwas anderes als ein guter Platz um zu Heilen und Gesund zu werden.

    Ich verstehe, wenn Menschen versuchen etwas Nettes zu sagen oder zu Helfen und weder was sie sagen, kommt als Nett an, noch ist die Hilfe wirklich hilfreich, dass es oftmals ein Kommunikationsproblem ist. Ich weiss auch, dass die FB Algorithmen mir etwas helfen, wenn irgendwas gepostet wird (selbst der doofe sprichwörtliche Punkt unter vielen Beiträgen um ihn zu pushen), aber mein Gefühl der Hilflosigkeit, wenn meine Message nicht rüberkommt und mir nicht geholfen wird, ist überwältigend.

    Jeden Beitrag den ich mit dem Hashtag #adoptdontshop #adoptame oder ähnlichem poste, meint wörtlich, dieser Hund ist in Adoption und Nein, dieser Hund bleibt nicht bei mir. Meine Geduld auf die Probe zu stellen, weil er ja schon so lange bei mir ist und es ihm ja offensichtlich gefällt, ist die Verkennung der Gesamtsituation (die ich auch immer wieder darstelle).

    Im aktuellen Fall sind es 2 Jahre, dass ich Remi aus einer Situation aufgenommen habe, die ihren sicheren Tod bedeutet hätte. Hier ist Remis Album auf Facebook. Es hat eine lange Zeit gedauert, bis sie gesund war, weil ich ein Behandlungsprotokoll gewählt habe, das über mehrere Monate sich hinzog. In diesen Monaten ist sie stark geworden, konnte geipmpft werden, hat ihr Vertrauen in die Menschen wieder gefunden und ich konnte mit einem Grundtraining mit ihr beginnen. Leider hat sie es aber nie geschafft, sich in die Gemeinschaft meiner Hunde zu integrieren, so dass es zu mehreren Kämpfen kam, die ich getrennt habe, bis ich dann konsequent sie nicht mehr ohne Leine im Haus laufen ließ und wenn ich nicht im gleichen Zimmer bin, sie nicht mit meinen Hunden alleine ist. Als Hintergrund muss ich dazu sagen, dass ich einen Hund habe, der sehr futterneidisch ist und seine Rescourcen auch verteidigt, einen Hund, der sehr aggressiv auf schnelle Bewegungen in seiner Nähe reagiert, ein Hund, der sehr ängstlich ist und mit extremen Bellen und Stress auf Geräusche von aussen reagiert sowie zwei andere Hunde, die an einem Kampf teilnehmen, wenn er mal angefangen hat. All das sind keine schlechten Hunde und es sind meine Hunde, aber da Remi selber sehr futterorientiert ist, gerne rumspringt und mit dem Stofftier spielt und meiner Ansicht nach auch, normale Hundekommunikation in ihren jungen Jahren nicht gelernt hat, findet sich hier das Potential zur Eskalation.

    Schreibe ich nun darüber, wie toll sie ist, bekomme ich den Kommentar, ui, die wird bei dir bleiben, weil es ihr so gefällt. Schreibe ich, was sie benötigt, nämlich dass sie keine Gesellschaft von anderen Hunden (oder Katzen) benötigt, bekomme ich Schelte, dass ich nicht so negativ schreiben soll.

    Fakt ist, ich suche ein Zuhause für Remi, ein Zuhause, das sich verpflichtet ihr ein besseres Zuhause zu bieten, als ich es kann, mehr Zeit mir ihr zu verbringen und auf ihre Bedürfnisse mehr einzugehen. Remi ist eine aktive Hündin, die gern an der Langleine Spaziergänge im Grünen machen möchte, die abends gern an der Seite ihres Menschen kuschelt und Fernseh sieht, die es liebt, ihr Plüschtier selber durch die Luft zu schmeißen und unter Aufsicht und mit den richtigen Hundefreunden auch spielen kann. Was sie nicht kann, ist mit Stress richtig umgehen und einfach die anderen ignorieren, sondern sie fährt dann auch hoch. Was ich ihr noch nicht einmal ankreiden kann. Kenne genug Menschen (inklusive mich selber), die auch nicht immer mit Stress richtig umgehen.

    Bitte helft mir, ihr das passende Zuhause zu finden. Ich weiss, es ist nicht einfach, weil sie eben das besondere Zuhause sucht, ich weiss, es gibt viele andere Hunde, denen schneller geholfen werden kann, sie zu vermitteln und wegen der riesigen Anzahl von Hunden (und Katzen) in Not hier in Mexiko und weltweit, gehen die Fälle im System verloren, die eben etwas mehr Hilfe brauchen, um zu ihrem Happy End zu kommen. Aber ich benötige dieses Netzwerk, um eben mehr Leute zu erreichen und ihre perfekte Familie zu finden. Vielen Dank.