Autor: Christine

  • Licht und Höhlen, Teil 2

    Licht und Höhlen, Teil 2

    In meinem ersten Beitrag aus 2024 habe ich über eine indirekte Lampenkommunikation geschrieben, die ein Erleben einer Höhle mit einem Teamkollegen, der die gleiche Technik anwendet, auf ein anderes Erlebnislevel anhebt. Von einem hektischen, unruhigen und unausgeglichenen Tauchgang hin zum Flow.

    Im Folgenden möchte ich die konkrete Lichtkommunikation beim Höhlentauchen ansprechen und dann noch auf ein paar Unarten eingehen.

    Team 1 möchte jederzeit wissen, wo Team 2 ist. Dazu braucht man sich nicht umzudrehen, sondern ich kann anhand des Lampenstrahls von Team 2 erkennen, auf welcher Seite der Leine er sich befindet, in welchem Abstand zu mir. Ich kann auch kontrollieren, ob er mit mir kommuniziert, indem ich meine Lampe kurz zuhalte, damit er dann seinen Lampenstrahl auf mich bringt. All das ist ziemlich Standard beim Höhlentauchen.

    Für mich genauso wichtig ist aber, dass der Taucher seine Hauptlampe nicht im Helm behält, wenn er normal taucht und die Helmhalterung nur benutzt, wenn er beide Hände zum Beispiel für das Verlegen eines Jumps etc. benötigt. Bevor er dann aufsieht und mit seinem Team kommuniziert, muss entweder die Lampe aus der Halterung genommen werden oder die Hand davorgehalten werden. Die Razor Helmhalterung hat die Möglichkeit, dass man die Lampe in einem Winkel nach unten bringen kann, und damit die Blendung ewas vermeidet, aber nicht unterbindet, vor allem nicht, wenn die Lampe einen sehr weiten Abstrahlwinkel hat.

    Während des Tauchgangs muss ich mich nicht drehen, um mein Team 2 zu kontrollieren und vermeide damit Unruhe, reduziere mögliches Aufwirbeln von Sediment und Verhängen in der Leine.

    Achtungsignale beim Höhlentauchen verwenden wir bei wichtigen Navigationspunkten, wie bei permanenten Pfeilen oder an Navigationspunkten wie Jumps oder Ts, damit das Team immer gleich informiert ist. Meine eigenen Notizen kann ich mit Informationen über die Höhlenleine ergänzen (Tiefe, auffälllige Richtungsänderungen usw.) muss das aber nicht im Team kommunizieren. Denn ehrlich gesagt, jeder merkt sich die Höhle anders und wenn wir anfangen, alles mit einem Achtung zu markieren, dann verliert dieses Zeichen zum einen seine Wichtigkeit und lässt mich auch darüber verwundern, ob der andere Taucher tatsächlich ausreichend Erfahrung hat, in einer Höhlenumgebung zu tauchen.

    Auch beim Höhlentauchen kommen uns manchmal andere Taucher entgegen, und in 9 von 10 Fällen halten die Taucher die Lampen nach vorne – und wenn ich Glück habe, nach unten. Aber es blendet dennoch. Schön wäre, wenn die Lampen seitlich ausgerichtet wären oder die Hand vor den Strahl gelegt wird.

    Und Schlussendlich Fotografen. Außer ich bitte explizit um ein Foto oder ich bin das Model und stelle mich darauf ein, dann bitte kein Foto und vor allem nicht in der Höhle und noch weniger, wenn Blitze oder Videolampen benutzt werden, um mich frontal aufzunehmen. Meine Augen benötigen wie bei jedem Menschen mehrere Minuten, um sich wieder auf das Nachtsehen umzustellen, und ich möchte aber jederzeit die Kontrolle behalten und alles Wichtige sehen.

    Bei Caverntouren sehe ich es häufiger, dass die Taucher mit den Videolampen ihre Videos drehen und auch nicht unterbrechen, wenn sie offensichtlich andere Teams blenden. Das ist wirklich keine nette Tauchetikette und gehört in jedem normalen Briefing, darauf hinzuweisen.

    Interessiert mit mir die Cenoten zu entdecken? Das Jahr 2026 markiert 20 Jahre Höhlentauchen für mich und gern teile ich diesen Tip und mehr, wenn du mit mir tauchen gehst.

  • Kommunikation

    Kommunikation

    Seit Tagen hatten wir einen Höhlentauchgang geplant. Gestern Abend kam eine Nachricht, die ich erst mitten in der Nacht gesehen habe: „Hallo, alles klar für morgen?“
    Darauf habe ich um 2 Uhr kurz zurückgeschrieben: „Ja, alles klar, wir sehen uns morgen früh.“
    Am Morgen kam dann die Antwort, dass mein Tauchpartner leider arbeiten müsse und deshalb nicht kann. Das war auch der Grund für seine Nachricht. Etwas verwirrend. Menschlich? Sicher. Aber irritierend.

    Ein anderes Beispiel: Wir gehen Höhlentauchen. Mitten in einem schönen, aber technisch unspektakulären Abschnitt fragt mein Vordermann per Lichtsignal ein Ok ab. Ich antworte nicht, weil ich nicht verstehe, warum er fragt. Also tauche ich weiter, bis ich näher an der vom Lichtkreis markierten Stelle bin – vielleicht zeigt er mir ja ein Tier, das ich wegen meiner Kurzsichtigkeit übersehen habe. Mein Buddy schwimmt derweil weiter und fragt erneut ein Ok ab. Nachdem ich Zeit und Luft kontrolliert hatte, bestätigte ich schließlich widerwillig. Im Debriefing habe ich die Situation aufgeklärt, um den Kommunikationsloop zu schließen. Der Unterschied ist, wie ein Höhentaucher oder ein Sporttaucher kommuniziert.

    Beim Höhlentauchen ist Kommunikation stark reduziert. Wir besprechen den Plan vor dem Tauchgang, und die Übereinkunft lautet: Alles ist in Ordnung, solange niemand das Gegenteil kommuniziert , das kann ein Erreichen eines Limits sein, auftretende Problemen oder schlicht die Entscheidung, den Tauchgang zu beenden. Diese Regel wird als „Goldene Regel des Höhlentauchens“ zusammengefasst:
    „Jeder Taucher hat das Recht, einen Tauchgang zu beenden, zu jeder Zeit, aus jedem Grund – und es wird vor allem nicht unter Wasser darüber diskutiert.“

    Jeder Taucher kann den Tauchgang beenden, zu jeder Zeit, aus egal welchem Grund, Fragen werden nicht gestellt
    (c) Picture Poby Han


    Nach dem Tauchgang besprechen wir, ob die Kommunikation funktioniert hat und wo es Verbesserungsbedarf gibt.

    Im Sporttauchbereich ist es anders. Dort wird das Ok häufig als Frage-Antwort-Muster genutzt. In den Handzeichen wird erklärt: Auf ein Ok muss ein Ok zurückkommen – ohne Differenzierung. Ich mache das mit Anfängern bewusst anders. Beim Abtauchen zeige ich nicht einfach Ok, sondern auf die Ohren und frage Ok – damit lenke ich die Aufmerksamkeit auf den Druckausgleich. Unter Wasser zeige ich auf mein Finimeter und frage Ok, also ob noch genug Luft vorhanden ist. Wenn der Schüler dann voller Freude Ok gibt, weil er den Tauchgang genießt, bestätige ich das natürlich. Aber diese Feinheiten in der Kommunikation mit einem Open-Water-Taucher im Detail zu besprechen, geht über die kurze gemeinsame Zeit hinaus. In der Ausbildung für Sporttaucher setze ich andere Prioritäten.

    Zum Schluss eine kleine Anekdote, die mir so oft passiert ist, dass ich sie als „typisch mexikanisch“ verbuche:
    An der Tankstelle:
    – Karte oder Bar?
    – Karte.
    – Gerät kaputt. Nur Bar.

    Was sind für dich sinnlose Kommunikationsschleifen im Alltag? Und hast du beim Tauchen auch schon mal ähnliches erlebt?


  • Über Kurse und Zertifizierungen

    Über Kurse und Zertifizierungen

    Daniel, Christine and Geraldine SDI Instructor Trainer enjoying an ocean dive

    Immer wieder stoße ich im Alltag als Tauchlehrerin und Instructor Trainerin auf die gleiche Frage: Wann ist ein Taucher wirklich bereit für die nächste Stufe seiner Ausbildung?
    Es ist leicht, Regeln und Voraussetzungen auf dem Papier zu erfüllen, doch in der Praxis geht es um viel mehr: Sicherheit, Erfahrung und vor allem Ehrlichkeit. Genau darum soll es in diesem Beitrag gehen.

    Kürzlich habe ich einen weiteren Beitrag im sehr interessanten SDI-Blog gelesen. Es ging darum, dass man als Tauchlehrer auch einmal Nein sagen muss, wenn ein Student noch nicht bereit für die angestrebte Zertifizierung ist. (Die Blog-Beiträge verlinke ich am Ende.)

    Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen: Es ist nicht einfach, als angestellter Tauchlehrer das Gleichgewicht zu finden ; Wer ist wirklich bereit für eine Zertifizierung, und wann spielen externe Faktoren eine Rolle, die die Entscheidung beeinflussen.

    In der Theorie liest sich das alles super einfach. In der Praxis ist es aber ganz anders, besonders wenn man in einem Shop arbeitet, der einen als Tauchlehrer nicht zu 100 % unterstützt. Stattdessen gibt es feste Regeln, wie lange ein Kurs dauern darf, aber keine klaren Guidelines, was passiert, wenn ein Student eben mehr Zeit braucht. Niemand erwartet, dass wir umsonst arbeiten. Das sollte auch den Kunden bewusst sein. Aber die Verantwortung liegt eben auch beim Inhaber, dies transparent und klar zu kommunizieren.

    Als unabhängig arbeitender Tauchlehrer ist es für mich deutlich einfacher. Ich bin nur mir selbst gegenüber verantwortlich, und für mich steht Sicherheit immer an erster Stelle. Wenn ich das Gefühl habe, ein Taucher ist ohne Supervision noch zu „wackelig“ in seinen Fertigkeiten, dann kann ich ihn nicht mit einer Zertifizierung losschicken.

    Als Tauchlehrer und Instructor Trainer treffe ich häufig auf Kandidaten, die ich vorher noch nie gesehen habe. Auch wenn sie auf dem Papier alle Eingangsvoraussetzungen erfüllen, weiß ich nicht, ob sie in ihren bisherigen Kursen korrekt evaluiert wurden oder ob ihre Erfahrung wirklich ausreicht.

    Mein oft zitiertes Beispiel: Ein Divemaster-Kandidat, der keinen Druckausgleich konnte und im Rescue-Kurs von seinem Tauchlehrer einfach 15 Minuten vorab unter Wasser geschickt wurde, weil er so lange brauchte, um überhaupt auf 10 m zu kommen. Ich hatte aber auch schon „Intro-to-Cave“ zertifizierte Taucher, die nach zwei Wochen Training mit mir die Voraussetzungen für diese bereits erlangte Zertifizierung nach meinen – und den allgemeinen – Standards nicht erfüllt haben.

    Immer wieder liest man auf Social Media bei Tauchlehrerkursen, dass der Instructor Trainer eine 100 % Bestehensquote hat. Also: alle Kandidaten, die zur Instructor Evaluation angetreten sind, haben bestanden. Aber die entscheidende Frage ist doch: Wie viele sind während des Trainings abgesprungen? Wird das irgendwo erwähnt? Wie vielen wurde gesagt, dass sie noch mehr Erfahrung brauchen, ihre Fertigkeiten verbessern müssen, um ihr Ziel zu erreichen? Für mich ist es eine klare Verzerrung in der Werbung für einen IDC, wenn von einer 100 % Bestehens-„Garantie“ gesprochen wird.

    Ein sehr krasses Beispiel für Schönrederei sind die sogenannten „No-Kill Shelter“. In der Öffentlichkeit stehen sie in dem Ruf, besser zu sein als Tierheime, die Tiere einschläfern. Was aber kaum jemand erwähnt: Viele dieser Einrichtungen nehmen bestimmte Rassen oder schwer vermittelbare Tiere gar nicht erst auf und treffen so von Anfang an eine Selektion. Ähnliches sehe ich auch hier vor Ort bei manchen Rescue-Organisationen: Welpen und kleine Hunderassen werden bevorzugt, weil sie leichter zu vermitteln sind. Das entspricht aber nicht unbedingt den wirklichen Notwendigkeiten.

    Eine Kollegin von mir lehnt Taucher für ein Training grundsätzlich ab, wenn sie ihrer Meinung nach zu wenige Tauchgänge haben, zum Beispiel nur 50, aber mit dem Wunsch, im Höhlenbereich einzusteigen. Ich habe versucht, ihr zu erklären: Auf dem Papier sind die Eingangsvoraussetzungen erfüllt. Ob der Taucher am Ende das gewünschte Level erreicht, hängt jedoch von seiner tatsächlichen Performance im Kurs ab.

    Wenn ich nun einen Tauchlehrer-Kandidaten habe, der extra anreist und sich zwei Wochen Zeit nimmt, um Tauchlehrer zu werden – reicht diese Zeit aus, um eventuelle Mängel aus der vorherigen Ausbildung aufzuarbeiten? Aus meiner Sicht: ein klares Nein. Der IDC selbst ist bereits sehr anspruchsvoll – mindestens acht, in größeren Gruppen eher zehn intensive Tage. Erst wenn wir uns persönlich kennenlernen, kann ich Defizite erkennen und gezielt daran arbeiten. Genau das ist schließlich meine Aufgabe: Taucher zu besseren Tauchern auszubilden und ihnen die Werkzeuge in die Hand zu geben, gute Taucher und gute Ausbilder zu werden.

    Meine klare Empfehlung: Mit ausreichend Zeit im Gepäck anreisen – oder den Tauchlehrerkurs gleich in Kombination mit einem anderen Kurs über zwei getrennte Zeiträume bei mir planen. So lernen wir uns, unsere Erfahrungen und unsere Arbeitsweise schon vorher kennen.

    https://www.tdisdi.com/iti/pass-or-fail-students-instructors

    https://www.tdisdi.com/iti/evolution-of-scuba-open-water-training

    Am Ende zählt für mich nicht, wie schnell jemand ein Brevet in der Hand hält, sondern dass er oder sie sicher und mit Freude taucht, und damit langfristig ein guter Taucher oder Ausbilder wird.
    Wenn du überlegst, den nächsten Schritt in deiner Tauchausbildung zu gehen, nimm dir die Zeit, die du wirklich brauchst. Schreib mir gerne direkt, dann finden wir gemeinsam den passenden Weg und das richtige Tempo für deine Ziele.

  • Vier Augen sehen mehr – Mentorship

    Vier Augen sehen mehr – Mentorship


    Vier Augen sehen mehr

    Ursprünglich 2015 begonnen, nun in überarbeiteter Fassung veröffentlicht.

    Der Einstieg in die Freiwilligenarbeit

    Im Jahr 2015 begann ich meine Tätigkeit als Freiwillige in einer Sterilisationsklinik – im Aufwachraum 1 für Hunde. Obwohl ich seit 2002 als Tauchlehrerin arbeite, schlägt mein Herz auch für den Tierschutz. Neben meinen eigenen adoptierten Tieren hier in Mexiko konnte ich bereits vielen weiteren Tieren zu einem besseren Leben verhelfen – sei es durch direkte Adoption oder durch Verbesserungen ihrer Lebensumstände.

    Tierärzte auf Zeit: Die Arbeit von VIDAS

    Wie schon in den vergangenen Jahren, unterstütze ich auch dieses Jahr wieder eine Sterilisationskampagne in Playa del Carmen. Tierärztinnen und Tierärzte nehmen sich Urlaub, um mit der Organisation VIDAS so viele (Straßen-)Tiere wie möglich zu kastrieren. Seit 2002 hat VIDAS das Leben zehntausender Tiere in Mexiko verbessert – ein beeindruckendes Engagement, das von vielen Organisationen bis heute weiterhin gezeigt wird.

    Struktur und Zusammenarbeit in der Klinik

    Jedes Tier wird von einem ausgebildeten und erfahrenen Tierarzt operiert. Andere Tierärzte sowie Tierärzt*innen in Ausbildung arbeiten in Vorbereitung und Nachsorge – unterstützt von geschulten Freiwilligen, die mit klaren Anweisungen in ihre Aufgaben eingeführt werden.

    Im letzten Jahr begann ich damit, chirurgische Instrumente zu sterilisieren – eine Aufgabe, die sonst niemand übernehmen wollte. Später wechselte ich in den Aufwachraum für Hunde, wo ich auch dieses Jahr wieder tätig war – sowohl in Raum 1 (direkt nach der Narkose), als auch in Raum 2 (wo die Tiere bereits mit ihren Besitzern sind).

    Schulung und Betreuung

    Für jede Aufgabe erhalten wir Freiwilligen eine Einweisung. Die Organisation Coco’s Animal Welfare bietet sogar Halbtageskurse an, die Grundlagen der postoperativen Erste Hilfe bei Hunden und Katzen vermitteln.

    Täglich begegne ich neuen Situationen. Doch ich bin nie allein: Ein Tierarzt oder erfahrener Helfer ist immer zur Stelle, beantwortet jede Frage und erklärt jedes Verfahren. Diese Lernumgebung ist ein Geschenk.

    Der Ablauf im Aufwachraum

    Unsere Aufgabe im Aufwachraum ist es, das Tier beim Aufwachen zu beobachten und jegliche Auffälligkeiten zu melden:

    • Wir entfernen Katheter und Beatmungsschläuche.
    • Melden Floh- oder Zeckenbefall.
    • Überwachen Atmung, Temperatur, Übelkeit oder andere Symptome.
    • Schneiden Krallen.
    • Und flüstern beruhigende Worte ins Ohr unserer pelzigen Patienten.

    Jeder ungewöhnliche Vorfall folgt demselben klaren Ablauf:

    1. Der Freiwillige bemerkt etwas und meldet es ruhig.
    2. Der zuständige Tierarzt überprüft die Situation und fragt nach Details.
    3. Die Lage wird professionell eingeschätzt.
    4. Der nächste Schritt wird erklärt – zur Weiterbildung aller Beteiligten.

    Ich selbst bin weder Tierärztin noch medizinisch ausgebildet – meine höchsten Qualifikationen im Erste-Hilfe-Bereich stammen aus der PADI- und DAN-Ausbildung. Dennoch darf ich hier täglich von erfahrenen Fachleuten lernen – eine außergewöhnliche Gelegenheit.

    Der Wert der zweiten Meinung

    Was mich besonders beeindruckt: Die Tierärzte konsultieren regelmäßig ihre Kolleg*innen. Ob zur Absicherung der Diagnose, zum Erfahrungsaustausch oder zu Lehrzwecken – eine zweite Meinung scheint Standard zu sein. Ich erlebe täglich ein offenes, respektvolles und lernförderndes Miteinander, in dem jede Stimme zählt. Diese Kultur des Dialogs und der Wertschätzung ist inspirierend.

    Ein Vergleich zur Tauchwelt

    Im Gegensatz dazu sieht die Realität in der Tauchwelt oft ganz anders aus.
    Ein gut gemeinter Hinweis wird schnell als Kritik verstanden, das Ego des Tauchpartners ist leicht verletzt. Ich musste früh lernen, wie sensibel man Verbesserungsvorschläge verpacken muss. Leider begegnet man dort oft:

    • Rivalität statt Kooperation,
    • Neid statt Unterstützung,
    • Zurückhaltung statt Wissensteilung.

    Mehr als einmal wurde ich wegen offener Meinungsäußerung bedroht – persönlich oder öffentlich. Und oft denke ich, es wäre einfacher, allein zu tauchen, statt sich solchen Dynamiken auszusetzen. Selbst erfahrene Taucher verweigern oft die Weitergabe ihres Wissens – selbst wenn man explizit darum bittet.

    Nach gründlicher Selbstreflexion bin ich überzeugt, dass dieses Problem nicht an meiner Person liegt. Viele meiner Kolleg*innen machen ähnliche Erfahrungen – wir sind gefangen in einem Kreislauf aus Unsicherheit und Konkurrenz.

    Was wäre, wenn…?

    Was wäre, wenn Tauchguides und Taucher sich genauso verhalten würden?
    Würde Wissen weitergegeben oder verloren gehen?
    Würden junge Kolleg*innen von Erfahrung profitieren oder nur aus Lehrbüchern lernen?

    Warum ist es in der Tauchszene so schwer zu akzeptieren, dass man auch nach dem Kurs noch lernen kann – und sollte – besonders durch die Augen und Erfahrungen anderer?

    Denn: Vier Augen sehen mehr. Und gemeinsam lernen wir besser.

    Mentoring nicht nur unter Wasser

    Als Instructor Trainer ist Coaching und Mentoring ein zentraler Bestandteil meiner Trainingsphilosophie. Ich glaube fest daran, dass individuelles Wachstum im Tauchen nicht nur durch Kurse, sondern durch kontinuierliche Reflexion und kollegiale Unterstützung geschieht.

    In meiner Rolle als Cave Instructor engagiere ich mich zudem als Evaluator für die lokale, freiwillige Organisation CREER, die sich dem Ziel verschrieben hat, das Höhlen- und Grottentauchen in den Cenoten Mexikos für Besucher sicherer zu machen.

    Mehr Informationen zu meinen Trainingsansätzen und Mentoring-Programmen findest du auf meiner Webseite:


    👉 https://divingcaves.de/instructor-training/


  • Druckausgleich für technische Taucher

    Druckausgleich für technische Taucher

    In meinem ersten Beitrag aus 2013 habe ich über den Druckausgleich geschrieben, um einen Link an meine Taucher und Studenten schicken zu können, in denen oft gehörte falsche Aussagen erklört werden und der Link zu dem überaus nützlichen Video eines amerikanischen Tauchmediziners, der Druckausgleichtechniken erklärt.

    Ich erlebe es aber immer wieder, dass selbst sehr erfahrene Taucher und Tauchlehrer mit ihrer Ohrenpflege auch etwas noch lernen können. Wie so vieles im Tauchen, kann man alles als einen Skill sehen, eine Technik, die man richtig erlernen muss, eventuell auch verschiedene Techniken, damit man unterschiedliche Arten anwenden kann, wenn es notwendig wäre.

    Jeder kann (oder sollte sich) an die Anleitungen im Open Water Kurs erinnern, dass der Druckausgleich kontinuierlich beim Abstieg herbeigeführt werden muss. Im nachfolgenden spreche ich immer vom Druckausgleich im Mittelohr, obwohl natürlich klar ist, dass wir in allen luftgefüllten Räumen unseres Körpers oder an unserem Körper (sprich Maske) beim Abstieg Druckausgleich herbeiführen müssen. Dies wird erreicht, so die gängige Erklärung, indem man den Nasenerker der Maske so quetscht, dass die Nasenflügel anliegen und man dann in die blockierte Nase bläst. Wenn es nicht klappt, soll man bei geschlossener Nase, den Kopf hin und her wackeln oder mit dem Kiefer wackeln und gleichzeitig weiter ausatmen. Bei einer Vielzahl von Tauchern reicht diese Erklärung, um ein beschwerdefreies Abtauchen zu ermöglichen.

    Ich möchte mich mit diesem Beitrag an die Taucher wenden, bei denen das eben nicht so leicht funktioniert, denn (ich denke) alle Taucher, die Druckausgleichsprobleme hatten (und gesund sind) und mit denen ich dann gesprochen habe, haben eine mangelnde Technik und falsche Ausführung des Druckausgleichs erlernt und angewendet.

    Fangen wir mit der entsprechenden Pflege an. Super wichtig ist, dass man aussreichend hydriert ist, vor allem als Taucher muss man darauf achten, genug Wasser zu trinken. Wenn die Gewebe gut elastisch sind, weil gut hydriert, bewegen sie sich leichter und man erreicht den Druckausgleich einfacher. Infektionen und Schwellungen werden durch gesunde Schleimhäute abgepuffert. Trinken nur am Abend, damit man das lästige Pinkeln tagsüber vermeidet, ist vor allem bei uns hier in Mexiko mit dem heissen Klima nicht aussreichend.

    Die Druckausgleichstechnik, die ich eingangs beschrieben habe, ist das sogenannte Valsalva Manöver.

    Bekanntermassen muss man ja die Tuben beim Tauchen öffnen, damit der Überruck aus der Umgebung auch im Mittelohr ankommt und ein Druckgleichgewicht entsteht. Die Tuben, genauer gesagt, die Eustachischen Röhren sind keine starren Röhren, sondern von einem Muskel umschlossen, der in den Tubenlippen endet, die sich im Wachzustand automatisch ungefähr alle Minute einmal öffnen und so automatisch eine Belüftung des Mittelohrs stattfindet. Diese automatische Öffnung müssen wir nun trainieren, dass sie auf Kommando erfolgen kann, dann wenn der Umgebungsdruck von aussen zu gross wird, dann sind die Tubenlippen geschlossen.

    Nach Wikipedia ist das Valsalva-Manöver, „auch Valsalva-Pressdruck-Versuch, Valsalva-Manöver oder Valsalva-Methode (nach Antonio Maria Valsalva, 1666–1723), … ein medizinisches Verfahren. Er wird beispielsweise zur Überprüfung des Barorezeptorenreflexes oder zur Belüftung des Mittelohrs und beim Untersuchen von Beinvenen mit Ultraschall angewandt.

    Außerdem wird er z. B. von Patienten durchgeführt, die unter Herzrasen leiden, um die Schlagzahl des Herzens wieder zu normalisieren.“

    Diesen letzten Satz habe ich hervorgehoben, weil das für uns Taucher wichtig ist zu verstehen, denn der Druckausgleichversuch nach Valsalva ist so heftig, dass es zu Druckänderungen im Brustraum kommt und an Land eben die Veränderung des Herzschlags bewirken kann unter Druck aber ein gefährlicher Shunt, also ein Überströmen von venösem und damit mit Stickstoff angereichertem Blut in den arteriellen Kreislauf und damit das Risiko eines Dekompressionsunfalls steigt (wer ein latentes offenes foramen ovale hat). Der höhere Druck im Brustraum kann aber auch bei allen Tauchern einen Blutdruckabfall nach sich ziehen und es kann zum Kollaps kommen.

    Das Frenzel- Manöver ist benannt nach Hermann Frenzel – einem Hals-Nasen-Ohren Mediziner, der beobachtete, dass bei Sturzfliegern häufig Barotraumen vorkamen. Dieser als Nasen- Rachendruck beschriebene Druckausgleich entsteht durch Druck der Zunge und der Mundbodenmuskulatur nach hinten/ oben gegen die verschlossene Nase, und öffnet so gleichzeitig die Tuben. Laut meinem medizinischen Tauchlexikon „der Neue Ehm, Tauchen noch sicherer“ ist die Druckerhöhung auf die Tuben beim Valsalva-Manöver bei 40 mm Hg (schliesst aber den Brustraum ein), bei der Frenzel-Methode jedoch bei 90 mm Hg. und öffnet die Eustachische Tube damit effektiver. Da die Stimmritze willkürlich verschlossen wird, kommt dieser Druck aber ausschliesslich im Mundraum zustande. Diese Methode ist nicht ganz einfach zu erlernen und man kann einige Videos dazu googeln oder meine Demonstration unten ansehen.

    Wichtig ist aber mit dieser sehr effektiven Technik kann man den Druckausgleich in unterschiedlicher Körperposition durchführen, was nicht nur für Taucher allgemein, sondern besonders als Höhlentaucher interessant ist, wenn ich beim Eintauchen in die Höhle schräg abtauchen muss. Nicht viele Taucher haben die Technik so perfektioniert, dass sie die Nase nicht mehr mit den Fingern verschliessen müssen, und somit beide Hände frei haben, andere Aufgaben zu erfüllen.

    Wie jede Taucherfertigkeit muss man auch diese üben, das Schöne an diesem Skill ist, dass man ihn an Land üben kann und somit so perfektionieren kann, dass man unter Wasser dann auch kopfüber ohne Probleme einen Druckausgleich herbeiführen kann, was bei vielen Tauchern, die mit dem Valsalva-Manöver schon Probleme haben, meist unmöglich ist.

    Achtung: Oftmals habe ich in meinen Ausführungen von meinen Tauchern gehört, dass sie Schlucken, um Druckausgleich herbeizuführen. Zum einen erzeuge ich beim Schlucken einen Unterdruck im Mundraum und keinen Überdruck (wäre also nur beim Auftauchen hilfreich, falls sich ungewöhnlicherweise das Mittelohr nicht automatisch entlüftet) und zum anderen schlucke ich eine kleine Menge Luft, die beim Aufsteigen sich dann in der Speiseröhre oder Magen ausweitet und zu Beschwerden wie Übelkeit oder Erbrechen führen kann.

    Tipps, das Frenzel- Manöver zu üben:

    • Stelle dich vor den Spiegel und schliesse nur die Nasenlöcher, aber die Nasenflügel sind frei bewegbar.
    • Nun bewege bei geschlossenem Mund die Zunge und den Gaumenboden ans Gaumendach. Das Gefühl ist das gleiche, wie wenn man eine weiche Banane mit der Zunge zerquetscht. Oder die Stellung von hinteren Zungenende bei Wort Hunger (die Konsonanten NG)
    • Überprüfen ob es korrekt erfolgt, kannst du auf zwei Arten. Beobachte deinen Adamsapfel, wie es sich nach oben bewegt. Beobachte deine Nasenflügel, wie sich aufblähen.
    • Diesen Druckausgleich kann ich sowohl im ausgeatmeten Zustand und mehrmals in einer Sekunde durchführen.

    Du kannst diese Übung so lange an Land durchführen, bis die Technik perfekt stimmt. Keine Angst, du kannst dir selber kein Barotrauma (also ein Überdruck-Schädigung) zuführen. Allerdings wird der Muskel der Eustachischen Röhre trainiert, dass er auf den Auslöse-Reiz unter Wasser dann besser und verlässlicher anspricht. Viel Spass beim Üben.

  • Agree to Disagree

    Agree to Disagree

    Vor einiger Zeit habe ich einen technischen Kurs unterrichtet und der Student war selber ein sehr erfahrener Tauchlehrer ( und technischer Taucher aber nicht auf dem Instructor – Level) sowie Wiederholerkunde und jemand, mit dem ich sehr gern getaucht habe.

    Während einer Theorieeinheit, wobei ich mich gar nicht mehr erinnern kann, um was es genau ging, fiel von seiner Seite dann das Endargument, „we can agree to disagree“, welches mich irrational sauer gemacht hat und ich recht brüsk das Gespräch beendet habe. Losgelassen hat mich die ganze Zeit aber nicht, warum ich so emotional wurde und ich habe seither versucht, diese Thematik aufzuarbeiten.

    Agree to Disagree heisst, jemand hat eine andere Meinung, als ich sie habe. Jeder hat das Recht dazu. Das ist nicht das Problem.

    Der wunde Punkt liegt in der Art der Anwendung des Arguments, denn während ich unterrichte, basiert mein Wissen nicht auf meiner Meinung, sondern auf Tatsachen und Erfahrungen, die durch meine Aktvitität als Trainer und aber auch die Grundlagen der Ausbildung unterstützt werden. Jahrzehntelanges Wissensanreicherung von vielen erfahrenen technischen Tauchern und Instruktoren ist in das Design des entsprechenden technischen Kurses geflossen.

    Dies bedeutet, das Anrecht auf einer eigenen Meinung des Studenten ist ein informeller Fehlschluss, der bedeutet, dass er eine Diskussion gewinnen will und nicht bereit scheint, lernen zu wollen. Ausserdem, auch wenn ich mich nicht mehr an den Inhalt der Diskussion erinnern kann (oder will)….. siehe Meme… (Achtung: Ironie)

    Wikipedia hat wie so oft mir geholfen, den Sachverhalt etwas besser zu verstehen und ich zitiere:

    Dazu gehört der dialogische Ansatz, der Argumente als Züge in einem Dialogspiel auffasst, welches darauf abzielt, die andere Person rational zu überzeugen. Für dieses Spiel gelten verschiedene Regeln. Fehlschlüsse werden als solche Verstöße gegen die Dialogregeln definiert, welche den Fortschritt des Dialogs behindern. Der epistemische Ansatz stellt eine weitere Herangehensweise dar. Sein Kerngedanke ist, dass Argumente eine epistemische Rolle spielen: Sie zielen darauf ab, Wissen zu erweitern, indem sie eine Brücke von bereits gerechtfertigten Glaubenshaltungen zu noch nicht gerechtfertigten Glaubenshaltungen schlagen. Fehlschlüsse sind Argumente, die dieses Ziel verfehlen, indem sie eine Regel der epistemischen Rechtfertigung verletzen.

    Leider sind wir im Gespräch nicht mehr darauf zurückgekommen und so ist ein bisschen ein schales Gefühl wahrscheinlich bei beiden von uns geblieben. Förmlich entschuldigen konnte ich mich nicht wirklich, weil ich mich an den Inhalt nicht erinnern konnte, aber aufgearbeitet habe ich es für mich durch diesen Beitrag. Was haltet ihr davon?

  • Navigation beim Höhlentauchen

    Navigation beim Höhlentauchen

    Seit den Anfängen des Höhlentauchens und der Erforschung von Unterwasserhöhlen hat es einen gewaltigen Sprung im Wissen um das sichere Betauchen von Höhlen gegeben. Ausbildungsorganisationen haben Minimumstandards festgelegt, was trainiert werden soll und was die Minimalausrüstung für das Höhlentauchen ist. Dazu zählt auch das Navigationskit.

    Ein Navigationskit – auch pig tail (Schweineschwänzchen) genannt, ist ein Gummischlauch, auf den mehrere personalisierte richtungsweisende aka Pfeile und nicht richtungsweisende Marker, Kekse oder Cookies genannt angesteckt werden können. Bei TDI ist das Minimum je 3 Stück pro Taucher. Und dann gibt es auch noch die REMs (reference exit marker).

    Woher kommen diese Marker?

    Die Idee seinen Weg in einer Höhle zu markieren stammt ursprünglich aus der Trockenhöhlen Erforschung. Mit dem Erforschen von Unterwasserhöhlen wurden Techniken angepasst und über die Jahre erweitert. Angefangen damit, dass in erforschten Höhlen der Etikette nach die Explorationsleine installiert bleibt. In Mexiko mit Ausnahmen, wenn die Tunnel nur kurz sind, nirgendwo hinführen, parallel zum Haupttunnel verlaufen usw. Nachdem aber nun jeder Taucher der Originalleine entlang tauchte, entstand das Bedürfnis seinen individuellen Weg zu markieren. Als erste Hilfsmittel nahm man, was leicht verfügbar war und das war Tape, welches man an die Leine kleben konnte und Wäscheklammern. Aus dem Tape, welches erstmalig 1976 in den USA von Lewis Holzendorff in Dreiecksform verwandt wurde, den sogenannten Dorff-Markern, haben Forrest Wilson, Sheck Exley und andere mögliche Formen auf einem Workshop des NSS-CDS diskutiert und heraus kamen die heute bekannten Höhlenpfeile, deren Design später von DiveRite aufgekauft wurde und in Massen produziert wurde. Die Wäscheklammern entwickelten sich zu persönlichen Markern, den Cookies, die von Daniel Riordan 1997 in Akumal entwickelt wurden und heute noch Hauptnavigationsmittel bei GUE Tauchern ist. Bil Phillips hat 2011 die Reference Exit Marker vorgestellt – kurz REM und seine Idee, wie sie in der Höhlennavigation verwendet werden können. Hier das Video dazu.

    Viele Höhlentaucher, die mich in Mexiko besuchen, kennen Navigationen aus anderen Höhlensystemen weltweit, aber kennen sich nicht wirklich mit der „mexikanischen Höhlen- Navigation“ aus. Das hört sich nun chaotischer an, als es ist, denn wir sind hier nun mal der Schmelztiegel verschiedener internationaler Einflüsse und aber auch der Innovationsmotor für neue Techniken und Verfahren. Und genau deshalb habe ich über die Jahre angepasst, wie ich meine Höhlentauchschüler in der Navigation einweise und wie wir Kekse, Pfeile und REMs korrekt nutzen. Jeder Höhlentaucher wiederholt anfangs mit mir, auf welche Art er/ sie gewohnt ist zu navigieren, wie ich es normalerweise mache, auf welche Version wir uns einigen, so dass es für alle im Team sicher ist und dann besprechen wir oftmals nach den Tauchgängen, was wir an anderen Varianten anderer Teams gesehen haben.

    Es gibt ein paar Bücher über Navigation zu kaufen und die meisten, die ich kenne sind auf Englisch. In diesem Zusammenhang möchte ich aber das neu in 2024 erschienene kleine Büchlein von Günter Persoglia nennen, das informativ über Höhlentauchausbildung in Deutsch informiert. Nur nebenher, ihr findet mich auf der Titelseite und auch in ein paar Fotos im Buch. Hier könnt ihr mit ihm Kontakt aufnehmen.

    Wenn euch das Lust auf mehr macht, dann schreibt mir doch einfach und wir machen zum Höhlentauchen oder -Training aus.

    Christine

  • Vergessene Seelen

    Vergessene Seelen

    Das Schöne an Social Media ist, dass des Interaktionen auslöst, dass man in Kontakt mit Menschen bleibt, die woanders sind und dass man dieses Netzwerk für allerlei Zwecke, sei es für Kundenaquise oder mehr dem Gemeinwohl ausgerichtete Ziele nutzen kann

    In diesem Sinne poste ich auch über meine Aktionen im Tierschutz, hab dafür sogar meine eigene FB-Seite F.R.E.S.A., aber viel geht natürlich auch über mein persönliches Profil, da die Verbreitung grösser ist.

    Mexiko ist ein Land mit unglaublicher Schönheit und Menschen, die äusserst herzlich sind. Obwohl die Gesetze zum Schutz von Fauna und Flora in Mexiko sehr fortschrittlich sind und Haustieren gerade in den vergangenen Jahren durch neue Gesetze und Regelungen sehr geholfen wird, ist ein Schwerpunkt der Berichterstattung in den Medien jedoch, über die Schattenseiten, den Abschaum und das Grauen zu berichten.

    Wenn ich ein Tier rette, berichte ich normalerweise von der ersten Minute über den Zustand, da ich sehr häufig hier bereits das erste Mal um Hilfe bitte. Denn 100% der geretteten Tiere müssen zum Tierarzt und sich einer oder mehrerer Behandlungen unterziehen, bis sie gesund sind und in ein neues Zuhause vermittelt werden können. Nicht immer gibt es ein Happy End und leider habe ich Tiere auch schon erlösen müssen, weil sie nicht geheilt werden konnten.

    Wann immer möglich poste ich dann mit einem positiven Touch, denn ich möchte weder jeden Tag jammern, noch etwas schwärzer malen als es sowieso schon ist oder mit grafischen Darstellungen von Gewalt oder Verletzungen Aufmerksamkeit gewinnen. Aber hier kommt der Punkt: Leute, die meine Beiträge ansehen und dem Tierschutz wohlgeneigt sind, sehen die Notwendigkeit nicht, auch mir zu helfen, wenn ja nach aussen hin alles in Ordnung zu sein scheint. Auch wenn ich schreibe, dass ich für einen Hund ein Zuhause suche, dass er gesund ist und nicht bei mir bleiben kann (denn ich kann nicht jeden Hund adoptieren, dem ich geholfen habe, so geht das nicht), wird unterschwelig angenommen, dass er bei mir ein gutes Zuhause hat und ich mich um ihn gut kümmern werde.

    Ein gutes Zuhause ist aber oftmals etwas anderes als ein guter Platz um zu Heilen und Gesund zu werden.

    Ich verstehe, wenn Menschen versuchen etwas Nettes zu sagen oder zu Helfen und weder was sie sagen, kommt als Nett an, noch ist die Hilfe wirklich hilfreich, dass es oftmals ein Kommunikationsproblem ist. Ich weiss auch, dass die FB Algorithmen mir etwas helfen, wenn irgendwas gepostet wird (selbst der doofe sprichwörtliche Punkt unter vielen Beiträgen um ihn zu pushen), aber mein Gefühl der Hilflosigkeit, wenn meine Message nicht rüberkommt und mir nicht geholfen wird, ist überwältigend.

    Jeden Beitrag den ich mit dem Hashtag #adoptdontshop #adoptame oder ähnlichem poste, meint wörtlich, dieser Hund ist in Adoption und Nein, dieser Hund bleibt nicht bei mir. Meine Geduld auf die Probe zu stellen, weil er ja schon so lange bei mir ist und es ihm ja offensichtlich gefällt, ist die Verkennung der Gesamtsituation (die ich auch immer wieder darstelle).

    Im aktuellen Fall sind es 2 Jahre, dass ich Remi aus einer Situation aufgenommen habe, die ihren sicheren Tod bedeutet hätte. Hier ist Remis Album auf Facebook. Es hat eine lange Zeit gedauert, bis sie gesund war, weil ich ein Behandlungsprotokoll gewählt habe, das über mehrere Monate sich hinzog. In diesen Monaten ist sie stark geworden, konnte geipmpft werden, hat ihr Vertrauen in die Menschen wieder gefunden und ich konnte mit einem Grundtraining mit ihr beginnen. Leider hat sie es aber nie geschafft, sich in die Gemeinschaft meiner Hunde zu integrieren, so dass es zu mehreren Kämpfen kam, die ich getrennt habe, bis ich dann konsequent sie nicht mehr ohne Leine im Haus laufen ließ und wenn ich nicht im gleichen Zimmer bin, sie nicht mit meinen Hunden alleine ist. Als Hintergrund muss ich dazu sagen, dass ich einen Hund habe, der sehr futterneidisch ist und seine Rescourcen auch verteidigt, einen Hund, der sehr aggressiv auf schnelle Bewegungen in seiner Nähe reagiert, ein Hund, der sehr ängstlich ist und mit extremen Bellen und Stress auf Geräusche von aussen reagiert sowie zwei andere Hunde, die an einem Kampf teilnehmen, wenn er mal angefangen hat. All das sind keine schlechten Hunde und es sind meine Hunde, aber da Remi selber sehr futterorientiert ist, gerne rumspringt und mit dem Stofftier spielt und meiner Ansicht nach auch, normale Hundekommunikation in ihren jungen Jahren nicht gelernt hat, findet sich hier das Potential zur Eskalation.

    Schreibe ich nun darüber, wie toll sie ist, bekomme ich den Kommentar, ui, die wird bei dir bleiben, weil es ihr so gefällt. Schreibe ich, was sie benötigt, nämlich dass sie keine Gesellschaft von anderen Hunden (oder Katzen) benötigt, bekomme ich Schelte, dass ich nicht so negativ schreiben soll.

    Fakt ist, ich suche ein Zuhause für Remi, ein Zuhause, das sich verpflichtet ihr ein besseres Zuhause zu bieten, als ich es kann, mehr Zeit mir ihr zu verbringen und auf ihre Bedürfnisse mehr einzugehen. Remi ist eine aktive Hündin, die gern an der Langleine Spaziergänge im Grünen machen möchte, die abends gern an der Seite ihres Menschen kuschelt und Fernseh sieht, die es liebt, ihr Plüschtier selber durch die Luft zu schmeißen und unter Aufsicht und mit den richtigen Hundefreunden auch spielen kann. Was sie nicht kann, ist mit Stress richtig umgehen und einfach die anderen ignorieren, sondern sie fährt dann auch hoch. Was ich ihr noch nicht einmal ankreiden kann. Kenne genug Menschen (inklusive mich selber), die auch nicht immer mit Stress richtig umgehen.

    Bitte helft mir, ihr das passende Zuhause zu finden. Ich weiss, es ist nicht einfach, weil sie eben das besondere Zuhause sucht, ich weiss, es gibt viele andere Hunde, denen schneller geholfen werden kann, sie zu vermitteln und wegen der riesigen Anzahl von Hunden (und Katzen) in Not hier in Mexiko und weltweit, gehen die Fälle im System verloren, die eben etwas mehr Hilfe brauchen, um zu ihrem Happy End zu kommen. Aber ich benötige dieses Netzwerk, um eben mehr Leute zu erreichen und ihre perfekte Familie zu finden. Vielen Dank.

  • Licht und Höhlen, Teil 1

    Licht und Höhlen, Teil 1

    Vor einiger Zeit habe ich in einem Beitrag eines anderen Höhlentauchlehrers einen Begriff verwendet, um etwas zu beschreiben, was ich während meiner Kurse versuche meinen Studenten weiterzuvermitteln.

    In aller Kürze ist es eine Komponente der Lichtkommunikation. In jedem Manual über Höhlentauchen steht, dass Handzeichen in Höhlen erleuchtet sein müssen, damit man sie sehen kann. Jedem Höhlentaucher ist das natürlich bekannt, aber der Schritt vom Freiwasserkommunikator zum korrekten Kommunizieren in der Höhle ist manchmal gar nicht so einfach und erfordert etwas Umdenken speziell für den Ansatz, wie ich meine Lampe verwende.

    Ich hatte damals vom schweigenden Licht (aka light silence) gesprochen, um den Zustand zu beschreiben, dass mein Lampenstrahl in der Höhle nicht hin und herfuchtelt und unruhig die Höhle absucht, wie so viele Taucher es anwenden, wenn sie den Lampenstrahl ihren Augenbewegungen folgen lassen.

    Wenn man jemand beobachtet, der seine Umgebung „scannt“ oder ein Bild genau betrachtest, sieht man, dass die Augen in vielen Bewegungen kreuz und quer gehen und es nicht so aussieht, als ob man einer Struktur folgt, wie man eine Umgebung oder eben ein Bild aufnimmt, damit man die bestmögliche Information in kürzester Zeit erhalten. Aber viele Taucher verwenden ihre Lampen dann parallel genauso, wie Zeiger oder Schwerter, die eben den Augenbewegungen folgen, wenn es eigentlich nicht notwendig ist, die Lampen ständig und vor allem schnell oder gar hektisch zu bewegen.

    Wenn wir in einem Team tauchen und das Team die entsprechende Nähe zueinander hat und unsere Lampenbewegungen harmonisch aufeinander abgestimmt sind, dann sehe ich mehr als nur mit meiner Lampe. Wenn ich beispielweise als Zweiter im Team meinen Lampenstrahl an die Leine hinführe, wenn der erste Taucher seine wegführt, so leuchte ich automatisch den etwas dunkleren Raum aus und er (und auch ich) können mit unseren normalen Augenbewegungen einen grösseren Raum absuchen und die Informationen aufnehmen. Der Lampenstrahl ist also nicht direkt vor mich gerichtet, sondern in einem Abstand, so dass auch der vordere Taucher den ausgeleuchteten Raum sehen kann.

    Für mich ist eine ruhige Lampenhaltung wichtig, weil es mich selber in einen Zustand der Ruhe versetzt, und ich mich dann auf die notwendigen und wichtigen Dinge und Kommunikation konzentrieren kann.

    Das schweigende Licht ist ein mächtiges Werkzeug, das richtig angewandt, ein Zusammenspiel und Harmonie im Team herbeiführt und das Gefühl, im Flow zu sein. Falls dich Höhlentauchen interessiert oder du den ersten Schritt zum technischen Tauchen machen möchtest, beantworte ich deine Fragen gern in einem persönlichen Gespräch oder e-mail.

  • Tauchen ist Teuer

    Tauchen ist Teuer

    Mehr als einmal habe ich gehört, wie teuer Tauchen ist. Vor vielen Jahren wollte mir ein Wiederholerkunde diktieren, wieviel es ihm wert ist, wenn ich sein Guide wäre. Natürlich habe ich dankend abgelehnt und ihm aus Kulanz auch nicht in Rechnung gestellt, dass ich durch seine Einstellung einen bezahlten Arbeitstag verloren habe.

    Kürzlich schreibt mir ein Kunde, der sowohl neue Ausrüstung wie auch einen Kurs und dann noch einige Spasstauchgänge mit mir gebucht hat, dass er sich das nicht so häufig leisten kann, weil er die Finanzanalyse seiner Reise abgeschlossen hat und die Tauchkosten sich am Ende auf knapp 50 % der Reisekosten beliefen. Ich hab mal nicht darauf reagiert, weil ich nicht weiss, ob er eine Rechtfertigung, Entschuldigung oder Preisnachlass erwartet und keines bin ich bereit zu geben.

    Ich weiss, dass Tauchen teuer ist. Ich bin von Zuhause aus nicht reich und ein Antriebsfaktor im Tauchen zu arbeiten war, weil ich mir die vielen Tauchgänge, die ich machen wollte, nicht leisten konnte. Jetzt arbeite ich als Tauchlehrer und habe mich über mehr als 20 Jahre langsam hochgearbeitet, so dass ich Erfahrung, Ausbildung und Können vorweisen kann. Aber Ausrüstung ist – bis auf wenige Ausnahmen genauso teuer für mich wie für jeden anderen. Ich hab keine Probleme damit, mit Lungenautomaten zu tauchen, die ebensoviele Jahre alt sind, weil vor allem die 1. Stufen bei entsprechender Pflege fast unzerstörbar sind. Allerdings sind die 2. Stufen naturgemäss etwas anfällliger, weil viel aus Plastik ist und das Material eben nach X Jahren ermüdet. Zusätzlich ist die Beschaffung in Mexiko manchmal schwieriger, die vor Ort Preise wegen variabler Einfuhrzölle höher sind als im Herstellungsland und vor allem weil Käufer, die in normal verdienenden Berufen arbeiten, prozentuell weniger ihres Gehalts für die Tauchausrüstung ausgeben. Kommt oben darauf noch hinzu, dass ich keine meiner internationalen Einkäufe steuerlich geltend machen kann und ich weitaus häufiger in Ausrüstung investieren muss, weil der Verschleiss grösser ist, vor allem bei den Anzügen. Auch für Kurse bezahle ich die normalen Preise (auch hier wenige Ausnahmen) und habe keine Sponsoren dafür. Und für meine Erfahrung – nämlich meine Spasstauchgänge muss ich natürlich auch zahlen.

    Wenn ich mir ansehe, dass der Eintritt in einem Vergnügungspark hier ohne irgendwelche grossen Extras über 100 Euro kostet, ein Ausflug nach Chichen Itza über 120 Euro kosten kann und das alles bei Anbietern, die mit grossen Gruppen arbeiten oder zumindest nicht individuell abgestimmt auf ihren Kunden, dann brauche ich einen Vergleich nicht zu scheuen. Ähnliche Luxushobbies wären zum Beispiel Golf mit nur wenigen öffentlichen Anlagen, die unter 100 USD zum Bespielen kosten, aber die exklusiveren ab 150 bis 350 USD verlangen und man dann keinen persönlichen Trainer oder Begleitung hat, denke ich, ist das offensichtlich genug. Fliegen, Fallschirmspringen? Keine Ahnung, was die Kosten sind, aber sicher nicht billig.

    Tauchen hat es geschafft, sich ein breiteres Publikum zu verschaffen, aber wenn ein Kunde kommt und meine Preise mit denen des Mitbewerbers zu vergleichen, egal ob hier lokal oder an einer anderen Tauchdestination, dann wird oftmals dennoch vergessen, das komplette Paket zu vergleichen. Wie jemand im Tauchen seine Preise kalkuliert, bleibt jedem selber überlassen, aber wer günstiger ist als der direkte Wettbewerb, muss Ecken abkürzen und Kosten sparen oder hat weniger Erfahrung, sieht Tauchen als Nebenerwerb an oder kann schlichtweg nicht wirtschaftlich kalkulieren.

    (End of rant)